Runter von der Bühne

Meine Reise zu eduScrum® 

Mein Erfahrungsbericht über die Anwendung von agilen Unterrichtsmethoden in der beruflichen Weiterbildung.


Die geforderten «4 C» Kompetenzen des 21. Jahrhunderts waren ein Grund für meine Reise zu agilen Unterrichtsmethoden. «Communication», «Collaboration», «Creativity» und «Critical Thinking» werden mit eduScrum® optimal gefördert.

Dabei hilft der Fokus auf zwei weitere «C»: «Choice» und «Care». Den Studierenden die Wahl lassen, selbst bestimmt zu lernen und ihnen dabei mit Wertschätzung und Hilfestellung zur Seite stehen. Dies ist einfacher gesagt als getan. Die Umsetzung - also der Schritt runter von der Bühne - erfordert bei Lehrpersonen das Durchbrechen von vielleicht langjährig zementierten Mustern.  

An dieser Stelle werde ich mit Bezug auf die 4 plus 2 «C» Tipps & Tricks veröffentlichen, welche auf meinen eigenen Erfahrungen basieren und so vielleicht den ein oder anderen Denkanstoss geben.


#4  "Wir“ statt „ich“ und „ihr“

Welche Pronomen verwendest Du in Deinen Lernbegegnungen? Aussagen wie: „Ich präsentiere jetzt ein Beispiel“ und „ihr habt jetzt 20 Minuten Zeit für die Übung“ katapultieren die Lehrperson direkt auf die Bühne. „Wir schauen uns jetzt ein Beispiel an“ und „wir arbeiten 20 Minuten an der Übung“ hat eine völlig andere Wirkung.

Es zeigt einerseits Wertschätzung, denn vielleicht hat jemand aus der Gruppe auch noch ein gutes Beispiel. Die Wahrscheinlichkeit, dass Studierende eigene Beispiele anfügen und somit aktiv mitdenken, ist bei dieser Formulierung viel höher. Forciert wird das noch durch W-Fragen, z.B.  „Wer hat ein Beispiel?“ und wenn es dann nur so sprudelt, dann darfst Du als Lehrperson Dein eigenes, ach so tolles Beispiel gern für Dich behalten. Ja, das geht vielleicht am Anfang ein bisschen ans Ego. Aber Du stehst nicht auf der Bühne, sondern die Studierenden und das Lernen stehen im Mittelpunkt.

Gleichzeitig signalisiert die Lehrperson durch das „wir“, dass sie im gleichen Boot sitzt und da ist, um als „Guide by the Side“ Hand zu reichen damit die Lernziele erreicht werden. Das schafft Vertrauen. 

ü Communication  ü Care


#3  Sitz doch mal ins Publikum!

Als Lehrperson reflektiere ich laufend meine eigene Lernbiografie. Wann hat es mir Spass gemacht zu lernen? Was zeichnete meinen „Lieblingslehrer“ aus? Was hat es gebraucht, damit bei mir etwas hängen blieb? Ob bei der weit zurück liegenden Grundbildung oder den zahlreichen beruflichen Weiterbildungen, es war immer das selbst bestimmte Lernen, welches zum Erfolg geführt hat.

Ich erinnere mich daran, was mir in Aus- und Weiterbildungen positiv aufgefallen ist und baue dies in meinen Unterricht ein. Alles was ich selbst nicht gern über mich ergehen lasse, wie zum Beispiel Powerpoint Präsentationen, mute ich auch meinen Studierenden nicht zu.

In die Rolle eines Studierenden zu schlüpfen und hautnah zu erleben, wie sich ein Unterricht nach eduScrum® anfühlt gibt viele wertvolle Inspirationen für den eigenen Weg «Runter von der Bühne!»  Schlüpfe in die Rolle Deiner Studierenden und sitz doch mal ins Publikum!

ü Critical Thinking ü Creativitiy  ü Communication ü Collaboration ü Care  ü Choice 


 #2 „Und wann ist Pause?“

Auch in der Erwachsenenbildung kommt die Frage nach der Pause früher oder später auf. Die Raucher gerne häufig & kurz, die Pausenbrotesser lieber einmal & länger und die Vieltrinker spontan, wenn die Blase drückt. Gibt die Lehrperson die Pausenzeit vor, so wird es immer einige geben, bei denen das nicht in den Lernrhythmus passt.

Ich lasse den Zeitpunkt und die Dauer der Pause von den Studierenden selbst bestimmen. Am einfachsten geht das in Verbindung mit Team- oder Gruppenarbeiten. Dabei nenne ich nur den Zeitpunkt, wann es wieder weiter geht. Die Ansage lautet somit nicht „jetzt 10 Minuten Pause!“ sondern „wir treffen uns um 10:30 wieder frisch erholt und Aufgabe XY gelöst“.

Die Studierenden diskutieren kurz wer wann wie lange Pause macht, und sie sind in 95 % der Fälle ohne unnötige Fremd-bestimmung motiviert bei der Arbeit und pünktlich wieder zurück. In den wenigen Fällen, bei denen es nicht auf Anhieb klappt (Aufgabe nicht fertig gelöst oder keine Pause gemacht) kommt dies genau einmal vor und die Gruppe lernt schnell, wie sie sich das nächste Mal zu organisieren hat.

ü Collaboration  ü Choice

 

#1  Steig erst gar nicht auf die Bühne !

Wie steigst Du als Lehrperson in einen Lehrgang oder Kurs ein? Mit einem grossen Sprung auf die Bühne? Da wird zuerst einmal lang und breit der eigene Werdegang präsentiert und danach werden die beruflichen Erfahrungen und Erfolge aufgezählt, oft dokumentiert auf 1 bis x Powerpoint Seiten und endend in einem 5 bis 10-minütigen Monolog. 

Steig erst gar nicht auf die Bühne! Dein Name, Link auf Deine Homepage oder Dein Social Media Profil reichen völlig aus. Und zum Einstieg verweist Du darauf, lässt die Studierenden am Laptop oder Smartphone die Informationen anschauen und stellst folgende Frage: «Und was möchtet Ihr sonst noch über mich wissen?» 

Die Studierenden werden zuerst etwas erstaunt sein und es wird einen Moment (gefühlt eine Ewigkeit) dauern, aber mindestens ein bis zwei Fragen werden kommen und der Grundstein für agiles und selbst bestimmtes Lernen ist gelegt!

ü Communication ü Critical Thinking  ü Choice